Alle Artikel in der Kategorie “Aus den Archiven

Aus den Archiven ist ein Sendungsformat von Deutschlandradio Kultur

Coco Schumann: Um sein Leben spielen

09.05.2024Spielräume SpezialÖ1Klaus Wienerroither —   –  Details

Coco Schumann

— Der Satz, dass ein Musiker um sein Leben spielt, hat hier einen bedrückend realen Hintergrund: Der Jazzgitarrist Heinz Jakob — Coco» Schumann war in den Konzentrationslagern Theresienstadt und Auschwitz ein Mitglied der Kapellen, die entweder zur Belustigung ihrer Peiniger beziehungsweise zur Ablenkung der Menschen, welche ins Gas geschickt wurden, aufspielen mussten. Der gebürtige Berliner hatte sich in den 1930er Jahren autodidaktisch das Gitarren- und Schlagzeugspiel beigebracht und die ersten Jahre des NS-Regimes mit einer falschen Steueridentität als Musiker arbeiten können, bevor er 1943 verhaftet wurde. Nach seiner Befreiung durch US-amerikanische Soldaten während eines Todesmarsches nach Innsbruck kehrte Schumann 1945 nach Berlin zurück und wurde zu einem deutschen Pionier der elektrisch verstärkten Jazzgitarre. Seine Karriere schien in den 1980er Jahren langsam zu verebben, doch Schumann kehrte zu seinen Swing-Wurzeln zurück und gründete ein Quartett. Am 28. Jänner 2018 verstarb der Musiker, dessen Geburtstag sich am 14. Mai zum 100. Mal jährt, in seiner Heimatstadt.

 
 

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Vor 80 Jahren: In New York wird die erste Augenbank gegründet

09.05.2024KalenderblattDeutschlandfunkMartin Winkelheide —   –  Details

NewYorker Augenarzt

Medizin — Eine Bank für Augenhornhäute — Die Hornhauttransplantation ist die weltweit häufigste Transplantation. Für Patienten bedeutet die Operation: Klare Sicht dank Hornhaut eines verstorbenen Spenders. Vor 80 Jahren wurde in New York die erste Hornhautbank gegründet. — Ein Gerät zur Augenmessung. Anfang der 1940er-Jahre hatte ein New Yorker Augenarzt eine spezielle Quelle für Augenhornhäute: das Gefängnis Sing Sing. Immer wenn dort Todeskandidaten exekutiert wurden, war Paton zur Stelle. 1944 kam dann eine Innovation.

 
 

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Erik Satie – Musikphilosoph und Klangasket

09.05.2024MusikporträtWDR 3Sven Ahnert —   –  Details

Erik Satie

Erik Satie, der Autodidakt mit schottisch-französischen Wurzeln, war die kauzig-geniale Gallionsfigur der Moderne. Eine Würdigung seines Schaffens zum Europatag. — Satie spielte Klavier in den Cabarets von Montmartre, verkehrte in esoterischen Kreisen der Rosenkreuzer, pendelte zwischen den feinen Pariser Kunstsalons und Avantgardezirkeln. Sein dadaistisches Musiktheater «Parade» entfachte einen Skandal. Mit seiner schwebend-einfachen «Musique d›ameublement» – «Möbelmusik» gilt er als Vorläufer der Minimal und Ambient Music. Satie suchte nach Einfachheit und Klarheit, notierte seine Partituren mit kalligraphischer Genauigkeit und wollte sich vom Ballast der Virtuosität befreien. Dabei entstand zeitlos schöne Musik: die «Gymnopédies» und «Gnossiennes», aber auch Irritierendes wie seine repetitiven «Vexations»; die John Cage erstmals 1963 zur Aufführung brachte. — Erik Satie war wie auch Cage ein Musikphilosoph und öffnete das Tor zur Moderne: Wie im Brennglas bündeln seine Klavierminiaturen, Kammermusiken, Lieder und die Ballett- und Filmmusiken den Geist seiner Zeit. Oder wie sein Freund Jean Cocteau schrieb: «Das Werk von Satie ist winzig klein wie ein Schlüsselloch, aber sobald man ihm mit dem Auge oder dem Ohr näher kommt, ändert sich alles.» Namhafte Interpreten wie Reinbert de Leeuw und Jean-Pierre Armengaud sprechen über Saties Klavierwerk, über die Kunst der Langsamkeit und die Schönheit einfacher Motive. Saties Musik hat auch der Akkordeonist Teodoro Anzellotti auf sein Instrument übertragen, glasklar und unsentimental.

 
 

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SK-xxddhehitt

Die Tonbandrevolution des russischen Pazifisten Bulat Okudschawa

08.05.2024NewsBerliner ZeitungKatja Lebedewa —   –  Details

Bulat Okudschawa

Nach Stalins Maßstäben war er der Sohn eines Volksfeindes, für Liedermacher wie Wyssozki und Biermann war er ein Vorbild. Zum 100. Geburtstag des Gitarrenlyrikers Bulat Okudschawa — März 1981, Leningrad, UdSSR. Der sowjetische Dichter, Schriftsteller, Drehbuchautor und Komponist Bulat Okudschawa tippt auf einer Schreibmaschine in seiner Datscha. — «Damals sangen wir alle Okudschawa», erinnerte sich der Dichter Jewgeni Jewtuschenko an die 60er-Jahre, als während des Tauwetters nach Stalins Tod 1953 eine junge russische Dichtergeneration antrat: «Die Jugend stürzte sich auf die Lieder Okudschawas wie auf einen läuternden Quell der Hoffnung. — Diese Lieder verbreiteten sich blitzschnell im ganzen Land, obwohl sie noch kein einziges Mal über Radio oder Fernsehen gesendet wurden. Sie erklangen von Tonbändern in den Wohnungen von Arbeitern, Ingenieuren, Physikern und Lyrikern. Man sang sie zur Gitarre auf Baustellen, in Zügen.» — Okudschawa (oder, lautsprachlich transkribiert: Okudshawa) begründete ein Genre, das Text, Melodie und Interpretation ein und desselben Autors verband, wobei der Text dominierte: die Gitarrenlyrik. In Okudschawas Kindheit, den 30er- und 40er-Jahren, war die Gitarre als Symbol der Gaunerwelt in der offiziellen sowjetischen Kultur geächtet. Als Musikinstrument wurde sie erst nach 1960 rehabilitiert. Auch dieses Tabu brach der Liedermacher in den 50er-Jahren, als er dem patriotischen Stil sowjetischer Dichtung der Stalinzeit und den ideologischen Sprachschablonen eine individuelle poetische Sprache entgegensetzte. — Vater im Straflager, Mutter in der Verbannung — Als siebzehnjähriger Freiwilliger ging Okudschawa nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion an die Front, wo er 1942 verwundet wurde. Die 1961 erschienene autobiografische Kriegserzählung «Leb wohl Schüler», in der Okudschawa seine Angst und Verzweiflung im Irrsinn des Krieges schilderte, wurde wegen «Pazifismus» verboten. Ab 1956 trug er in Wohnungen von Freunden die von ihm gedichteten und komponierten Lieder zur Gitarre vor. Seine erste Schallplatte durfte in der UdSSR erst 1976 erscheinen. — Die staatliche Verschwörung des Schweigens jedoch wurde durch die Tonbandgeräte gebrochen, die in der UdSSR ab 1960 produziert wurden. Einmalig in der Geschichte sowjetischer Kultur expandierte eine verbotene künstlerische Strömung zur Massenkultur. Bulat Okudschawa wurde neben Wladimir Wyssozki, der Okudschawa als seinen Lehrer bezeichnete, zum bekanntesten sowjetischen Liedermacher. Die Tonbandrevolution machte die Gitarrenlyrik zu einem kulturellen und gesellschaftlichen Ereignis. Der Magnetizdat veränderte die Struktur der Öffentlichkeit, da er eine schnellere und breitere Rezeption ermöglichte, als sie der Samisdat (Selbstverlag) per Schreibmaschinenkopien leisten konnte.

 
 

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