Alle Artikel in der Kategorie “Ö1

Un vent de folie. Das Phänomen Josephine Baker

28.03.2021SpielräumeÖ1Renate Burtscher —   –  Details

Josephine Baker

Mit 20 hatte sie sich aus einem Leben in bitterer Armut in den USA befreit und eroberte von Paris aus die Welt, wurde zur Marke, zu «La Bakaire». Die 1906 geborene Josephine Baker war der erste afroamerikanische Superstar, wurde als «schwarze Venus» gefeiert, die zur großen Inspirationsquelle für Künstler und später auch Künstlerinnen wird. Im zweiten Weltkrieg sang und tanzte sie für Soldaten, mit Ende 30 versöhnte sie Nationen und Hautfarben mit ihren Chansons und protestierte gegen den in den USA bis heute anhaltenden Rassismus, indem sie sich zur zwölffachen Adoptivmutter einer stetig anwachsenden Regenbogenfamilie machte.

 
 

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Der Anti-Toscanini – Willem Mengelberg – umstritten, unwiederholbar

27.03.2021SpielräumeÖ1Chris Tina Tengel —   –  Details

Das Jazzinstitut

Wer in die symphonische Aufnahmegeschichte der Zwischenkriegszeit eintaucht, stößt zwangsläufig auf Willem Mengelberg. Ein halbes Jahrhundert lang war der vor 150 Jahren geborene Niederländer Chefdirigent des Concertgebouw Orchesters Amsterdam, dort Vorkämpfer der Musik Gustav Mahlers und unzähliger weiterer Zeitgenossen. Die jährliche Palmsonntagsaufführung der Bach’schen «Matthäus-Passion» geht auf Mengelberg zurück, die Hebung des Klangkörpers auf Weltniveau ebenfalls. Die tontechnisch präsentabelsten Teile von Willem Mengelbers klingendem Erbe, speziell ein komplett live mitgeschnittener Beethoven-Symphonien-Zyklus aus Amsterdam, erklären, warum es in den 1920er Jahren beim New York Philharmonic zum Krach zwischen den parallel dort tätigen Pult-Diktatoren Mengelberg und Arturo Toscanini kommen musste: Zur (sich später immer mehr zuspitzenden) Tempo-Rigidität des Italieners steht Mengelbergs auf extremer Freiheit im Umgang mit dem Notentext basierender, in seiner Zugespitztheit oft faszinierender Interpretationsstil in krassem Gegensatz. Dieser Interpretationsstil wurde zugleich von Mengelberg selbst diskreditiert und ging so mit ihm unter: Während der NS-Okkupation der Niederlande hatte sich der Dirigent den neuen Machthabern spektakulär angebiedert; 1945 wurde er mit Berufsverbot belegt und starb 1951, ohne nochmals aufgetreten zu sein.

 
 

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Metakonzert von Alexander Chernyshkov – A.C. im Jeunesse-Porträt

26.03.2021Zeit-TonÖ1Marlene Schnedl —   –  Details

Alexander Chernyshkov

Alexander Chernyshkov, geboren 1983 in Omsk (Russland), aufgewachsen in Verona (Italien), ist Komponist, Performer und Improvisator. Seit seinem Kompositionsstudium an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien bei Chaya Czernowin sowie an der Kunstuniversität Graz bei Clemens Gadenstätter lebt und arbeitet er in Wien. Chernyshkov experimentiert mit dem Bau einzigartiger neuer Instrumente und beschäftigt sich etwa mit der Transformation von Blasinstrumenten. So ist eine Kontrabasstuba mit einem dreizehn Meter langen Schlauch unter Verwendung von Motoren, Relais und Elektromagneten entstanden. Zudem erprobt der Künstler mit Elementen der Performancekunst neue Formen des Musiktheaters.

 
 

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Curd Duca. Im Fahrstuhl mit Neuer Musik

25.03.2021Zeit-TonÖ1Heinrich Deisl —   –  Details

Curd Duca

Mit “Waves” veröffentlicht der österreichische Elektronikmusiker Curd Duca eine dreiteilige Serie über Zusammenführungen von analoger und digitaler Musik. Er arbeitet mit Klang- und Sprachsamples, aus denen ganz eigene Formen eines (Anti-)Easy Listening entstehen. Anlässlich des ersten Teils von “Waves” widmet der Zeit-Ton Curd Duca ein Porträt. Seit den 1950er Jahren gibt es Musikarten, die abschätzig Fahrstuhl- oder Easy-Listening-Musik genannt werden. Wie kaum ein anderer hat Curd Duca sich derart konsequent mit Überschneidungen von Gebrauchsmusik und Komposition auseinandergesetzt und eine Audiokunst geschaffen, die daraus avantgardistische Musik- und Textgestaltungen macht: Ambient-Cut-Ups mit Mitteln aktueller Elektronik. Im Grunde ging es bei Curd Duca immer schon darum, zur Essenz des Gehörten durchzudringen. Das machte er in den 1980ern in den Improvisationsbands 8 ODER 9 und Auch Wenn Es Seltsam Klingen Mag und während der 1990er in den Solo-Projekten “Easy Listening 1-5” und “Elevator 1-3”. Dazwischen lag “Switched-On Wagner”, eine Auseinandersetzung mit Wagners Musik, ähnlich wie sich Wendy Carlos an Bach angenähert hatte. 2020 kam mit “D’accord” ein Album heraus, auf dem Akkordeonstücke mit Live-Elektronik umgesetzt werden.

 
 

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Dujardin, Laloy, die Zeit und das Wetter

24.03.2021SpielräumeÖ1Mirjam Jessa —   –  Details

Quentin Dujardin

Der Gitarrist Quentin Dujardin und der Akkordeonist Didier Laloy brillieren auf ihrem Album «Water & Fire» — Wenn sie uns in den April schicken, spüren wir förmlich plötzlichen Hagel, Sonnenschein, der launische Monsieur Avril steht vor uns und grinst abfällig. Die Musik ist hinreißend. Dass vor dem Sturm die Ruhe kommt, dass der Juni anders leuchtet als der Mai, dass wir zwischen all den leeren Stühlen lieber Musette tanzen sollten und sei ’s allein, all das und viel mehr lehren uns der Gitarrist Quentin Dujardin und der Akkordeonist Didier Laloy auf ihrem Album «Water & Fire». »Le Temps» – das bedeutet gleichermaßen Wetter, Zeit und den musikalischen Takt. «Wir glauben an diesen ewigen Moment der Kreation. Welch immense Freude, unsere Musik miteinander teilen zu können! Das Wichtigste bleibt aber: Der ideelle persönliche Gewinn und die Freiheit, die jedem von uns aus seiner Bereitschaft zum Wagnis erwächst. Dieses Projekt ist ein wunderbares Beispiel dafür.» (Didier Laloy)

 
 

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Kerosin95 und ein gewitztes ‹Volume 1› –

22.03.2021SpielräumeÖ1Rainer Elstner —   –  Details

Kathrin Kolleritsch

Kerosin95 und Clown-Lieder von Ernst Molden & Der Nino aus Wien sowie ein Ramsau-Song von Paul Plut – Kathrin Kolleritsch spielt Schlagzeug in Europas Indie-Band des Jahres (My Ugly Clementine), arbeitet aber auch am Solo-Rap-Projekt Kerosin95. Mit treffendem Wortwitz, rhythmischem Flow und einer großen Bandbreite an Stilen legt Kolleritsch nun die Debütplatte vor. Der Titel lässt auf mehr hoffen: «Volume 1». Kompositorisch hat Kerosin95 sich starke Kräfte aus Österreich ins Studio geholt: Marco Kleebauer (Musiker bei Leyya und Produzent von Bilderbuch), Manu Mayr (5K HD, Kompost3), Maximilian Walch (Produzent von Bilderbuch, Left Boy/Ferdinand, Lou Asril) sowie Mira Lu Kovacs (Mira Lu Kovacs/ehem. Schmieds Puls, 5K HD).

 
 

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The wicked Pickett – Wilson Pickett zum 80. Geburtstag

21.03.2021SpielräumeÖ1Klaus Wienerroither —   –  Details

Wilson Pickett

«The wicked Pickett», so hieß das 1967 auf dem Label Atlantic Records veröffentlichte dritte Album des am 18. März 1941 in Prattville, Alabama geborenen US-amerikanischen Soul Sängers Wilson Pickett. Das englische Wort «wicked» hat viele Bedeutungen: Cool, geil, stark, aber auch böse, boshaft und verrucht. Alle diese Eigenschaften trafen auf die Bühnenfigur Pickett zu. Als einer der populärsten Künstler der 1960er Jahre konnte er nach dem Weggang von Atlantic nie wieder an seine frühen Erfolge anknüpfen. Im Jahr 2006 starb der Interpret von Songklassikern wie «In the Midnight Hour» oder «Everybody Needs Somebody to Love» an den Folgen eines Herzinfarkts.

 
 

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Die Jazz-Speerspitze Oberösterreichs – Das Jazzinstitut an der Anton-Bruckner-Privatuniversität Linz

18.03.2021SpielräumeÖ1Andreas Felber —   –  Details

Das Jazzinstitut

Seit 1988, als Bassist Adelhard Roidinger am damaligen Bruckner-Konservatorium eine Jazzabteilung aufzubauen begann, wird in Linz – auf akademischem Niveau – Jazz unterrichtet. Und spätestens unter der Leitung von Christoph Cech (1999-2014) hat sich das heutige Institut für Jazz und improvisierte Musik (JIM) an der Anton-Bruckner-Privatuniversität als eines der stiloffensten Ausbildungsinstitute des Landes etabliert: Jazz gilt hier weniger als eine Sprache mit klaren Regeln, denn als Chiffre dafür, unter Bezugnahme auf den eigenen hybriden musikalischen Sozialisationsbackground den individuellen Ausdrucksbedürfnissen zu frönen. Zahlreiche heute szenebekannte Musiker/innen sind bei Peter Herbert, Elfi Aichinger, Agnes Heginger, Peter O’Mara, dem aktuellen Institutsleiter Martin Stepanik bzw. ihren Kolleg/innen in die Lehre gegangen: Von Pianist Philipp Nykrin, den Saxofonist/innen Fabian Rucker, Christian Kronreif (mittlerweile selbst als Professor am JIM tätig) und Astrid Wiesinger über die Bassist/innen Lukas Kranzelbinder, Judith Ferstl und Beate Wiesinger bis hin zu Komponist Ralph Mothwurf oder auch zur aktuell als «Starmania»-Jurorin TV-präsenten Ina Regen. Ein Blick auf diese wichtige Kaderschmiede des zeitgenössischen österreichischen Jazz (und darüber hinaus) im Rahmen des aktuellen Ö1-Oberösterreich-Schwerpunkts.

 
 

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Der Vater des Tango Nuevo – Astor Piazzolla zum 100. Geburstag

13.03.2021SpielräumeÖ1Klaus Wienerroither —   –  Details

Astor Piazzolla

Der argentinische Bandeon-Spieler und Komponist Astor Piazzolla hätte am 11.März seinen 100. Geburtstag gefeiert. Der 1992 verstorbene Piazzolla gilt als der Begründer des «Tango Nuevo», einer Weiterentwicklung des argentinischen Tangos. Er selbst hat über diesen «neuen Tango» folgendes gesagt: «Der «Tango Nuevo» ist eine Fortsetzung des traditionellen gesungenen Tangos, der als Tanzmusik gespielt wurde. Dieser neue Musikstil beginnt in Buenos Aires und verdankt alles der Erarbeitung neuer Rhythmen, Melodien und Betonungen, die der heutigen Welt angehören. Während die Musiker der traditionellen Tango-Orchester jahrelang dieselben Stücke und Arrangements spielten, hatte ich meinen Spaß daran, neue Musik zu machen. Kritiker und Musiker versuchten, den neuen Tango zu zerstören, aber es gelang ihnen nicht.» Die Spielräume Nachtausgabe würdigt einen der gleichermaßen populärsten wie auch bedeutendsten Komponisten des 20.Jahrhunderts.

 
 

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Der Vater des Tango Nuevo – Astor Piazzolla zum 100. Geburstag

12.03.2021SpielräumeÖ1Klaus Wienerroither —   –  Details

Astor Piazzolla

Der argentinische Bandeon-Spieler und Komponist Astor Piazzolla hätte am 11.März seinen 100. Geburtstag gefeiert. Der 1992 verstorbene Piazzolla gilt als der Begründer des «Tango Nuevo», einer Weiterentwicklung des argentinischen Tangos. Er selbst hat über diesen «neuen Tango» folgendes gesagt: «Der «Tango Nuevo» ist eine Fortsetzung des traditionellen gesungenen Tangos, der als Tanzmusik gespielt wurde. Dieser neue Musikstil beginnt in Buenos Aires und verdankt alles der Erarbeitung neuer Rhythmen, Melodien und Betonungen, die der heutigen Welt angehören. Während die Musiker der traditionellen Tango-Orchester jahrelang dieselben Stücke und Arrangements spielten, hatte ich meinen Spaß daran, neue Musik zu machen. Kritiker und Musiker versuchten, den neuen Tango zu zerstören, aber es gelang ihnen nicht.» Die Spielräume Nachtausgabe würdigt einen der gleichermaßen populärsten wie auch bedeutendsten Komponisten des 20.Jahrhunderts.

 
 

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‹sonic blue› von Angélica Castelló – Die imaginäre Unterwasserwelt

11.03.2021Zeit-TonÖ1Susanna Niedermayr —   –  Details

Angélica Castelló

Die Vereinten Nationen haben mit 1. Jänner dieses Jahres das Jahrzehnt der Meeresforschung für Nachhaltige Entwicklung ausgerufen, denn die Lebewesen in unseren Ozeanen stehen vielfach unter Druck. Die Überdüngung, der schleichende Sauerstoffverlust, die Überfischung, die Versauerung, das Einschleppen invasiver Arten, die Plastik- und Lärmverschmutzung, – das sind nur einige der vielen Probleme, die das ökologische Gleichgewicht in unseren Ozeanen zusehends aus der Balance bringen. Im Rahmen des Ö1 Schwerpunktes “Patient Ozean” präsentieren wir Ihnen “sonic blue”, eine Komposition von Angélica Castelló, die 2013 im Zuge eines Kompositionsauftrages für das ORF musikprotokoll im steirischen herbst entstanden ist.

 
 

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Es scheint im Übrigen, dass ich einigermaßen integriert bin – Zum kommenden 95. Geburtstag von Marie-Thérèse Escribano

09.03.2021SpielräumeÖ1Albert Hosp —   –  Details

Marie-Thérèse Escribano

Dass sie sich der Musik Spaniens näher widmen sollte, scheint naheliegend, war ihr Vater doch Andalusier. Doch bis sich Marie-Thérèse Escribano mit Liedern der iberischen Halbinsel befasste, geschah noch einiges andere: Die in Paris geborene, in Madrid aufgewachsene ging nach dem frühen Tod ihrer Eltern nach Belgien, der Heimat ihrer Mutter, und landete schließlich 1955, noch keine 20 Jahre alt, in Wien. Ihre Tätigkeiten nach dem Gesangsstudium sollten sehr bald zwischen dem Zeitgenössischen und der Alten Musik pendeln. Mit dem Ensemble Die Reihe verwirklichte sie unter anderem eine maßstabsetzende Aufnahme von Schönbergs «Pierrot Lunaire»; außerdem gehörte sie zum Gründungsteam des Mittelalter-Ensembles Les Menestrels.

 
 

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