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Der Text war seine Party / Nachruf auf Musiker Kristof Schreuf

11.11.2022NewstazJulian Weber —   –  Details

Kristof Schreuf

Der Musiker und taz-Autor Kristof Schreuf ist gestorben. Seine Band Kolossale Jugend schrieb deutsche Popgeschichte. Er wurde nur 59 Jahre alt.

 

— — Kristof Schreufs Gesang hatte unendlich Spaß am Lärm, war fast ein Sirren, ein sirenenhaftes Insistieren und durchaus zorniges Zurechtrücken. Er war, wie alle, angloamerikanisch sozialisiert, und versuchte, das Befreiende von Rock›n›Roll – allen Lügen und Mythen zum Trotz – für sich zu klären, darum sang er auf Deutsch: «Morgenstunde/Lautlos kreischen»; «Mein, mein/Noch einmal sagen/Nicht genau und Ende klar», «Der Text ist meine Party».

 

— Er klopfte die Sprache nach Resten von Brauchbarem ab und gab dem Lärm mit seinem hellen Organ wichtigen und richtig enervierenden Drive. Das musste so. Als lang-anhaltende Rückkoppelung auf den kommerziellen Erfolg von Punk und Neuer Deutscher Welle, welcher ab 1982 in Westdeutschland zu ästhetischer Verheerung und sprachlicher Banalisierung führte. Aus dem tiefen Schlund von Profimuckertum und Provinzialisierung gelang es Schreuf und seiner Band Kolossale Jugend mit ihren beiden Alben «Heile Heile Boches» und «Leopard II» (1989 und 1990 veröffentlicht), das Kaputte von Pop in Deutschland als Trümmer einzusammeln, umzudrehen und wie einen heile heile Ziegelstein wieder rauszuhauen.

 

— Schreuf sang an gegen Selbstzufriedenheit und eherne Machtverhältnisse. Sein Vater war ein Konstrukteur des titelgebenden Panzers. Bereits vor, aber besonders nach der deutschen Wiedervereinigung 1989 belastete die Vereinnahmung von Rockposen auch für nationalistische Zwecke das Unbeschwertsein der Kolossalen Jugend und nicht nur der.

 

— Kolossale Jugend stehen auch am Anfang dessen, was dann als Hamburger Schule zur Bezeichnung einer Künstlergeneration wurde. Um die Band gründete sich das Indie-Label L›age D›or. Zugleich entstanden weitere unabhängige Strukturen in der hanseatischen Subkultur, Clubs und Kneipen, Orte, um Kontakte zu knüpfen.

 
 

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Faszination Jacques Brel

08.04.2016Kultur heute: ClipSRF 2 KulturN.N. —   –  Details

Jacques Brel

Faszination Jacques Brel

Ein knappes Jahrzehnt bevor Leonard Cohen und Bob Dylan die Welt eroberten, betrat ein nicht mehr ganz junger Belgier die Bühnen von Paris: Jacques Brel. Bald lag die Welt des Chansons ihm zu Füßen. Was faszinierte an dem viel zu früh verstorbenen Brel?

Weitere Themen des Mittags:

* Der Dokumentarfilm «Sonita» erzählt die Geschichte eines 8-jährigen Mädchens aus Afghanistan, welches sich einer Zwangsverheiratung mittels Rap-Musik widersetzt. — * Die Meldung hat die astronomische Welt in Aufregung versetzt: In unserem Sonnensystem könnte sich ein weiterer Planet verstecken. Seither versuchen Planetenforscher mehr Informationen zu sammeln. — * «Es ist ein Skandal!» Was wir oft so leichtfertig aussprechen, trifft auf die aktuelle Affäre um die Panama-Papers wohl zu. Doch was genau ist eigentlich das Wesen des Skandals?

 
 

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