Allzeit präpaiert, immerzu geplündert / Endlich Hilde Knef *100

03.04.2025NewsZeit OnlineBerit Dießelkämper —   –  Details

Hildegard Knef

Berit Dießelkämper entdeckt in Luzia Schmids Dokumentarfilm eine große Künstlerin, die im Dezember 100 werden würde. — In ihrer Zeit wurde über alles gesprochen und überall geraucht: Die 2002 verstorbene Hildegard Knef kommt nun in der Dokumentation “Ich will alles” noch einmal zu Wort.

Es lässt sich weder restlos nachvollziehen noch überzeugend vermitteln, wie hier bisher ohne erweiterte Kenntnisse über Hildegard Knef gelebt werden konnte. Die Nummer mit den roten Rosen war mir durchaus ein Begriff, nicht jedoch, was für eine elegante, erhabene, sich so wunderbar zum Vorbild eignende Frau sie doch war. Wie dumm, wirklich außerordentlich dumm, das nicht schon früher bemerkt zu haben, und nur wegen dieses permanenten Starrens auf die Gegenwart. Ganz normales Generationending also; die Knef ist ja schon 1925 geboren (happy Hundertster im Dezember!), und da muss jetzt ordentlich was nachgearbeitet werden: die frühen Jahre als Ikone des deutschen Nachkriegsfilms und der sich anschließende “Weltruhm” bis nach Amerika, die mittleren Jahre als Chanson-Sängerin und Autorin sowie die späten mit dem neuen Gesicht. Das ist ganz schön viel für ein einziges Leben, aber der Dokumentarfilm Ich will alles von der Schweizer Regisseurin Luzia Schmid bietet einen herrlich übersichtlichen Einstieg. Oder eine ehrfürchtige Erinnerung, sollte das alles längst bekannt sein. — In diesem Film blickt und spricht die 2002 verstorbene Hildegard Knef dem Zuschauer vorzugsweise direkt in die Seele hinein – durch ihre dunkel geschminkten, mit dichten Wimpern beklebten Augen, die stets wissen, wo die Kameralinse gerade hinhält, und durch ihre so klugen und präzise formulierten Sätze: “Das Leben schuldet uns nichts als das Leben, und alles andere haben wir zu tun.” Von dem Getanen und Erlebten erzählen Aufnahmen ihrer Auftritte, Ausschnitte aus Interviews und Zitate aus Knefs autobiografischen Büchern. Sie, von rasendem Ehrgeiz angetrieben und zu endloser Arbeit bereit, gibt darin maximal ehrlichen und reflektierten Zugang zu ihrem Innersten. Über das Außen berichten unterdessen die wahlweise jubelnden oder vernichtenden Pressestimmen von damals sowie Christina Gardiner, ihre Tochter aus zweiter Ehe, und ihr dritter Ehemann Paul von Schell. Sehr liebevoll, aber keineswegs unkritisch blicken sie auf Hildegard Knef und die mit ihr verbrachte Zeit zurück. (…)

 
 

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