30.03.2025 – News: Nachrufe – The New York Times – Joanne Kaufman — – Details
Linda Williams
Sie war eine der ersten, die ernsthaft über ein heikles Thema schrieb, und spielte auch eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Filmwissenschaften und der feministischen Filmtheorie. — Die Wissenschaftlerin Linda Williams im Jahr 2004. «Linda war da», sagte ein Kollege, «bevor es so etwas wie feministische Filmwissenschaften gab.» — Linda Williams, eine bahnbrechende Wissenschaftlerin, deren Forschung grundlegend für die Filmwissenschaft und die feministische Filmtheorie war und die viel über Pornografie schrieb, starb am 12. März in ihrem Haus in Lafayette in Nordkalifornien. Sie wurde 78 Jahre alt. — Ihr Ehemann, Paul Fitzgerald, sagte, die Ursache seien Komplikationen eines hämorrhagischen Schlaganfalls gewesen, den sie vor fünf Jahren erlitten hatte. — «Linda war schon da, bevor es feministische Filmwissenschaften überhaupt gab», sagte B. Ruby Rich, die ehemalige Chefredakteurin der Zeitschrift Film Quarterly, in einem Interview. «Sie spielte eine entscheidende Rolle bei ihrer Entwicklung, aber sie war nicht orthodox.» — Frau Rich fuhr fort: «Sie blieb nicht bei ihrer Linie, als die Menschen Grenzen wahrnahmen und das Handeln anderer streng kontrollierten. Sie war furchtlos und ging ihren Fragen nach, wohin sie auch führten. In jedem Zweig der Wissenschaft ist das wirklich, wirklich ungewöhnlich.» — Als langjährige Professorin für Film und Medien an der University of California, Berkeley, schrieb und redigierte Frau Williams Artikel und Bücher zu so unterschiedlichen Themen wie Surrealismus, Zuschauerverhalten und der Fernsehserie «The Wire». — Sie interessierte sich sehr dafür, wie sich verschiedene Filmgenres auf den Körper auswirkten – zum Beispiel, wie Horrorfilme Gänsehaut verursachen konnten – und in ihrem 2002 erschienenen Buch «Playing the Race Card: Melodramas of Black and White From Uncle Tom to OJ Simpson» untersuchte sie, welchen Einfluss die Tropen des Melodramas auf die zunehmende und abnehmende Rassentrennung in Amerika hatten. — Ihre schlagzeilenträchtigste Arbeit konzentrierte sich jedoch auf pornografische Filme, die sie als eigenständiges Genre betrachtete – und auch wissenschaftlicher Analyse und Untersuchung würdigte. Sie verglich Pornografie geschickt mit einem anderen populären Genre: dem Musical, bei dem Gesangs- und Tanzeinlagen durch sexuelle Handlungen ersetzt wurden und die oft lächerlich fadenscheinige Erzählung des Pornos durch die, nun ja, oft lächerlich fadenscheinige Erzählung des Musicals ersetzt wurde. — Frau Williams begann sich Mitte der 1980er Jahre mit der Pornografie zu beschäftigen, als es in der Politik heftige und lautstarke Auseinandersetzungen dafür und dagegen gab. (…)
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