01.04.2025 – Musikstunde – Süddeutsche Zeitung – Christoph Elzer — – Details
Musk Nazi
Die Geste, die viele als Hitlergruß deuten, stellte einen Wendepunkt für viele Kunden dar. — Einst schickte Tesla sich an, die Automobil-Branche zu revolutionieren und machte Elon Musk zum reichsten Mensch der Welt. Jetzt droht sogar der Bankrott. Wie konnte es so weit kommen? Eine Analyse. — Austin – Im Dezember 2024, zwischen der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten am 5. November 2024 und seiner Vereidigung am 20. Januar 2025, war Tesla rund 1.500.000.000.000 US-Dollar Wert. 1,5 Billionen Dollar – anders ausgedrückt: 1.500 Milliarden oder mehr als doppelt so viel wie VW, BMW und Mercedes zusammen. Tesla-CEO Elon Musk hatte sich in den US-Wahlkampf und damit ins Weiße Haus eingekauft. Es wirkte wie der perfekte Plan – und entwickelte sich zum größten Schritt in Richtung Untergang. — Seit Donald Trump das Amt des US-Präsidenten zum zweiten Mal übernommen hat und Elon Musk als Leiter des Department of Government Efficiency (DOGE) zum Schattenpräsident aufstieg, hat sich der Marktwert von Tesla gegenüber dem Höchststand im Dezember 2024 beinahe halbiert (minus 46 Prozent). Doch die Probleme des Autobauers fingen schon viel früher an – das politische Engagement des Firmenchefs diente dabei lediglich als Brandbeschleuniger. Der dramatische Niedergang und die damit verbundene Hoffnungslosigkeit für Tesla lässt sich in fünf Punkten erklären.
1. Teslas Fahrzeuge: Zu wenige und zu alte ModelleWenn man sich die großen Autobauer – egal ob amerikanisch, europäisch oder asiatisch – anschaut, dann blickt man stets auf ein prall gefülltes Fahrzeug-Portfolio, das jeden erdenklichen Einsatzzweck und Geldbeutel abdeckt. So bietet Ford in den USA beispielsweise derzeit 21 verschiedene Fahrzeugmodelle vom SUV über Muscle Car bis hin zum Pickup an. Mercedes Benz in Deutschland kommt auf 35 Modelle, die das gesamte Spektrum vom Kompaktwagen, über Limousine und Geländefahrzeug bis hin zum Roadster abdecken. — Ganz anders sieht es bei Tesla aus. Der amerikanische Elektroauto-Vorreiter kommt weiterhin nur auf fünf Modelle in den USA und auf vier im Rest der Welt: Model S, Model 3, Model Y und Model X bedienen allesamt ein recht ähnliches Fahrzeugsegment, lediglich der berüchtigte Cybertruck wildert im in den USA so beliebten Teilbereich der Pick-ups. Und selbst die vorhandenen Modelle erhalten deutlich zu langsam Updates – es gibt beispielsweise für Besitzer eines älteren Modell S keinen Grund, auf ein neues Modell umzusteigen – die letzte Revision stammt von 2021. — Die kleine Fahrzeugpalette im Zusammenspiel mit seltenen Updates entwickelt sich für Tesla immer mehr zum Problem: Der Autobauer hat sich stets im gehobenen Preissegment positioniert, was zu Beginn der Elektroauto-Entwicklung auch rein von den Produktionskosten her gar nicht anders möglich war. Doch mittlerweile hat sich der Markt weiterentwickelt und zahlreiche Mitbewerber aus Europa und Asien fluten das untere Preissegment, das traditionell vor allem im Bereich des Zweitwagens eine entscheidende Rolle spielt. Hier hat Tesla überhaupt keinen Fuß in der Türe. Und der Cybertruck ist so gebaut, dass er in Europa (und den meisten anderen Ländern) niemals eine Straßenzulassung bekommen kann. Somit bleibt dieses Marktsegment Tesla auch außerhalb der USA verschlossen. Tesla fehlt schlicht das Portfolio, um dauerhaft ein Big Player in der Automobilbranche zu bleiben.
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Warum sich Elon Musk nicht mit dem Titel als reichster Mensch der Welt zufrieden gegeben hat, sondern zusätzlich noch in der großen Politik mitmischen wollte, kann wohl nur er selbst erklären. Fakt ist aber, dass durch seine Aktivitäten im Weißen Haus die ohnehin schon vorhandenen Probleme von Tesla auf eine fatale Art und Weise zusätzlich befeuert wurden. Tesla war schon immer geradezu utopisch überbewertet, eine kaum einlösbare Wette auf die Zukunft. Nun gerät dieses Konstrukt so sehr ins Wanken, dass selbst eine Pleite des Unternehmens keineswegs mehr unrealistisch wirkt. — Auch wenn Elon Musk Tesla nicht selbst gegründet hat, ist der Erfolg des Unternehmens untrennbar mit seiner Person verbunden. Doch jetzt schickt er sich an, wie die deutsche Redensart sagt, mit dem Arsch einzureißen, was er zuvor mit den Händen aufgebaut hat. Und möglicherweise geht dabei am Ende nicht nur Tesla pleite, sondern auch er selbst.
SK-hehitt