18.02.2025 – News – nachtkritik – Esther Slevogt — – Details
Thomas Brasch
Spiralblog 17 — Dem Dichter, Dramatiker, Erzähler und lässigsten wie schnoddrigsten aller Shakespeare-Übersetzer, Thomas Brasch, zum 80. Geburtstag. Eine Erinnerung. — 19. Februar 2025. Heute würde Thomas Brasch achtzig Jahre alt. Brasch, dieser so deutsche Dichter, Dramatiker und leichthändige, kluge und zugleich so schnoddrige Shakespeare-Übersetzer. Heute vor achtzig Jahren wurde er in der britischen Emigration seiner Eltern geboren, mit denen er als Kind dann in die DDR kam. Im Schlepptau der Hoffnung dieser Eltern, dies könnte das bessere Deutschland sein. — Bald war er abtrünniger Funktionärssohn, Opfer der Verhältnisse, Dissident und Anti-Dissident in einem. Das Deutschland, auf das er wartete, würde es nie geben – das Dazwischen, die Leerstelle, die seine Hoffnung stets markierte, hat ihn sehr früh verschluckt. Er starb ein Jahr nach der Jahrtausendwende und hinterließ ein monumentales, in Teilen unverstandenes Werk, das gerade neu entdeckt wird. — Ich habe mal eine Weile in der gleichen Straße wie er gewohnt. Das ist viele Jahre her. Abend für Abend fast hielt er in einem der damals noch sehr raren Promihotspots in der Nähe Hof, saß unter der breiten Markise draußen und verbreitete ein besonderes Leuchten, ein Glühen, ein Verglühen vielleicht sogar. Man ging vorbei, traute sich kaum, genauer hinzuschauen. Ein Dichter! Jetzt bloß nicht glotzen! Irgendwie saß er da auch wie der Künder einer ganz anderen Welt. — «Ach, wenn ihr mich gestorben habt, — lebt ihr mich weiter heute, — gemeinsam wird ein Land begrabt — und einsam sind die Leute.» — Das hat er in einem posthum veröffentlichten Gedicht geschrieben (erschienen 2015 in dem Band «Die nennen das Schrei»). Prophetisch, könnte man sagen.
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